
Nein, wir wollen für einmal nicht schon wieder das Wort Gutmensch strapazieren, aber man kann mit gutem Gewissen sagen: der Atomkraftgegner ist ein gutmütiger Mensch. Wenn er zum Protest schreitet, dann passiert ausser dem Schreiten nicht viel, was medienmässig natürlich ein grosser Nachteil ist. Wer bloss durch die Landschaft marschiert und links und rechts der Strasse nichts kaputt macht, wird kaum wahrgenommen. Jedenfalls waren die 5000 AKW-Gegner, die am Pfingstmontag 2010 am AKW Gösgen vorbei nach Olten marschierten, dem Zürcher Tagesanzeiger nur gerade ein paar diskrete Zeilen wert, sozusagen unter ferner liefen.
Im Vorfeld gab es aber durchaus Ängste vor gewalttätigen Demonstranten. Polizeifahrzeuge zum Abtransport von Randalierern samt reichlich Personal standen in Olten bereit. Und es gibt auch dieses bemerkenswerte Gerücht um die Routenwahl am Zielort. Angeblich hat die UBS Druck auf die Veranstalter gemacht und eine Routenänderung in Olten verlangt, damit keine Demonstranten am Bankgebäude vorbeimarschieren und beim Anblick eines UBS-Schaufensters womöglich die Beherrschung verlieren.
Aber wie erklären die Organisatoren ihrer Basis nach vierstündigem Marsch unter brütender Sonne diesen seltsamen Umweg (siehe Karte unten)? Ganz einfach: Atomkraftgegener sind wie gesagt gutmütige Menschen. Man braucht ihnen bloss eine kleine Exkursion zu einer 'guten' Bank vorzuschlagen. Nicht weit von der UBS steht die ABS, die Alternative Bank, deren Altbau vor kurzem nach Minergie-Richtlinien renoviert worden war. Da stehen die Atomgegener nun also mächtig beeindruckt vor dem Minergie-Monument und nehmen dann frohgemut die letzten Meter unter die Füsse, in sicherer Distanz zur UBS. War da nicht gerade diese hämische Bösmenschen-Banker-Lachen zu hören?
Anmerkung Frühjahr 2011:
Mittlerweile können wir davon ausgehen, dass es nicht die UBS war, die geschützt werden sollte, sondern der Sitz der swissnuclear, der Fachgruppe Kernenergie der Elektrizitätswirtschaft. Swissnuclear hat ihren Sitz im gleichen Gebäude wie die Oltner UBS-Filiale. Die diskrete Adresse wurde selbst in Olten einer breiten Öffentlichkeit erst bekannt, nachdem am 31. März 2011 dort eine Paketbombe explodiert war. Im Gegensatz zu den 5000 Protestierenden sorgte dieser Anschlag für dicke Schlagzeilen, nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit.