
Wenn in der Schweiz ein Nationalrat von Gegnern zusammengeschlagen wird, dann wird erwartet, dass sämtliche Parteien diese Tat erst einmal ohne Wenn und Aber verurteilen. Das ist wohl richtig so und es fällt Gutmenschen ja auch nicht besonders schwer. Politikerinnen und Politiker, die sich erfrecht hatten, die Tat zu relativieren, indem sie dem betroffenen SVP-Nationalrat Leichtsinnigkeit vorwarfen oder etwa darauf hinwiesen, dass seine Partei seit Jahren das politische Klima anheize, wurden umgehend aus den eigenen Reihen zur Räson gebracht.
Szenenwechsel: Vor einigen Jahren wurde in Kappel, Kanton Solothurn, ein Brandanschlag auf ein Unterkunft von Asylsuchenden verübt. Nichts weniger als ein versuchter Mordanschlag. Ein Politiker plädierte daraufhin in einer Zeitungskolumne für Verständnis für die jungen Täter. Wenn die Politik das Asylproblem nicht zu lösen im Stande sei, müsse man sich nicht wundern usw... Eine Ungeheuerlichkeit, angesichts einer solchen Tat. Doch öffentliches Echo auf diesen unakzeptablen Standpunkt gab es keines. Es braucht eben schon etwas mehr, als einige an Leib und Leben bedrohte Asylbewerber, um einen Sturm der Entrüstung zu entfachen. Eine gequetschte Rippe eines SVP-Nationalrates, zum Beispiel.